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Wohnen mit körperlichen Einschränkungen

Trends & Zukunft | 2 Minute(n) zum Lesen | Veröffentlicht 03.05.2021, 15:14:00

«Wohnen im Dorf», Schenkon: mehr Selbständigkeit für Paraplegiker und Tetraplegiker

Aus dem Kühlschrank die Milch holen. Am Herd Nudeln kochen. Ein Bad nehmen. All dies sind alltägliche Tätigkeiten, die für Rollstuhlfahrer:innen zur Herausforderung werden. Doch auch Menschen mit Lähmungen der unteren oder aller vier Extremitäten müssen nicht komplett auf Hilfe angewiesen sein. Das beweist das Projekt «ParaWG» in Schenkon.

Im Kanton Luzern gibt es eine ParaWG, in der Paraplegiker und Tetraplegiker zwischen 17 und 27 Jahren sich auf ein selbständiges Leben vorbereiten und den WG-Alltag beüben. Zwischen sechs Monaten und drei Jahren können sie dort ein Zimmer anmieten und die dazugehörigen Gemeinschaftseinrichtungen nutzen. Als Bauprofi bin ich darauf aufmerksam geworden. Ein spannendes Projekt!

Wohnen mit körperlichen Einschränkungen: Lernen von Betroffenen

Was bedeutet es eigentlich, mit starken körperlichen Einschränkungen das Leben in den eigenen vier Wänden zu meistern? Als Spezialist für hindernisfreies Bauen und Alterswohnungen war ich bereits mit dem Thema betraut. Doch es ist noch einmal etwas ganz anderes, mit den Betroffenen selbst zu sprechen. Genau das habe ich getan. Ich bin auf das Projekt in Schenkon aufmerksam geworden und nahm mit dem Verantwortlichen Kontakt auf. Auf diese Weise durfte ich ein Wohnprojekt und deren Bewohner kennenlernen, die mir einen neuen Zugang zum barrierefreien Bauen ermöglichten. Die ParaWG ist eine Novität in der Schweiz und zeigt auf, was körperlich beeinträchtige Menschen zu einem selbständigen Wohnen tatsächlich brauchen.

Wenn Details im Wohnungsbau zu Hindernissen werden können.

    Empathie mit der »Zielgruppe« macht das Zuhause lebenswerter

    Bauprofis, welche für Menschen mit körperlichen Einschränkungen bauen, haben oft eher einen abstrakten Bezug zum Thema. Umso essenzieller ist es, ehrliche Empathie mit Menschen mit Beeinträchtigungen zu haben und sie nach ihren Bedürfnissen zu fragen. Wie gestaltet sich der Alltag bereits morgens beim Aufstehen? Endet der Tag beim Zubettgehen? Was ist somit für ein barrierefreies Bauen entscheidend? Und wie sieht die Praxis 2021 im Wohnungsbau tatsächlich aus?

    Was wichtig ist fürs Wohnen mit körperlichen Einschränkungen

    Als Bauleiter bin ich mit den offiziellen Vorschriften für ein hindernisfreies Bauen bestens vertraut. Jedes kleinste Bau-Detail folgt Normen. Doch treffen sie das «echte Leben»? Gespräche mit Betroffenen der Para-WG zeigten, dass hier ein Missverhältnis besteht. Die (Bau-)Wirklichkeit sieht «im richtigen Alltagsleben» anders aus. Ich habe mir selbst einen Eindruck von den Wohnungen gemacht und war tief bewegt, mit welchen Stolperfallen die Bewohner aufgrund der körperlichen Einschränkung umgehen müssen. Auch das bewog mich zu einer Sachspende für die WG, die hoffentlich den Bewohnern das Wohnen verschönert sowie vereinfacht.

    Ich werde dieses und weitere Projekte verfolgen und hier an dieser Stellen darüber schreiben.


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